| Glaubensätze (Ömer Nasuhi Bilmen) |
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(Ein Kapitel aus dem Buch: FEINHEITEN ISLAMISCHEN GLAUBENS, Autor: Ömer Nasuhi Bilmen, Astec Verlag) Inhaltsverzeichnis 01. Prinzipien wahrhafter Religion
Prinzipien wahrhafter Religion Die wahrhafte Religion ist ein Gesetz Gottes und zugleich die heilige Zusammenführung mehrerer gesicherter Urteile. Dieses Gesetz leitet die Menschheit zum Guten. Solange die Menschen sich mit ihrem eigenen Willen den Bestimmungen dieses Gesetzes unterwerfen und ergeben, befinden sie sich auf dem richtigen Pfad und sind recht geleitet. So erlangen sie sowohl im Diesseits als auch im Jenseits Glückseligkeit und Wohlbefinden. Religionen kann man in drei Kategorien einteilen: 1. Die erste Kategorie umfasst die wahrhaften Religionen. Diese Religionen entsprechen der oben angegebenen Definition, da sie von Gott stammen und den Menschen durch Propheten übermittelt worden sind. Man bezeichnet sie auch als himmlische oder göttliche Religionen. Alle himmlischen Religionen entspringen ein und derselben Quelle und sind an und für sich wesensgleich, bis auf einige Unterschiede hinsichtlich der Rituale beim Gebet und der juristischen Bestimmungen. Alle Religionen, die von Adam bis Jesus durch hochverehrte Propheten an die Menschheit übermittelt worden sind, beruhen auf denselben Glaubenssätzen und dem Prinzip des Glaubens an denselben Gott. Manche von ihnen wurden aber verzerrt, und die Originalität ging verloren. Gott sandte Muhammad als Propheten an die ganze Menschheit. Durch ihn schenkte Gott der Menschheit die allerletzte und vollkommenste aller wahrhaften Religionen. So ist die islamische Religion diejenige Religion, die bis zum Jüngsten Tag als wahrhafte Religion fortbestehen wird. 2. Die zweite Kategorie umfasst jene Religionen, die Ihre Originalität eingebüßt haben und entstellt wurden. Wie wir oben bereits erwähnt haben, waren diese Religionen ursprünglich wahrhafte Religionen, die aber infolge dieser Entstellung ihren himmlischen Wesenszug verloren haben. 3. Diese Kategorie enthält alle nicht himmlischen Religionen. Diese Religionen haben nie etwas mit einer wahrhaften Religion zu tun gehabt und bestehen aus zahlreichen Irrlehren diverser Nationen. Obwohl sie manch rationale und gescheite Bestimmung enthalten, fehlt Ihnen jegliche himmlische Würde und der heilige Aspekt. Religionen, die auf der Verehrung des Feuers, der Sterne und mancher Idole beruhen, sind in dieser Kategorie einzustufen.
Wesenszüge einer wahrhaften Religion Die bestimmenden Wesenszüge und Eigenschaften einer wahrhaften Religion, durch die sie sich von anderen Religionen unterscheidet, sind mannigfaltig. Zusammenfassend können wir behaupten, dass eine wahrhafte Religion den Menschen die Existenz Gottes mitteilt und ihnen vorschreibt, nur Ihn zu verehren. Sie gibt ihnen Aufschluss über die Tatsache, dass es keinen Schöpfer außer Gott gibt. Sie erwartet die Verehrung aller Propheten und aller himmlischen Bücher, ohne Unterschied zwischen ihnen zu machen. Auf ein ewiges Leben im Jenseits wird hingewiesen. Alle Menschen werden einer gemeinsamen Ordnung unterworfen und einer himmlischen Bruderschaft anvertraut. Der einzige Unterschied zwischen den Menschen vor Gott besteht im Glauben und im guten Charakter. So gewährleistet die wahrhafte Religion allen Menschen Errettung und Glückseligkeit. Die einzige Religion, die all diese Wesenszüge in sich vereint, ist die islamische Religion, die heute besteht und bis zum Jüngsten Tag fortbestehen wird.
Vorteile einer wahrhaften Religion Die Vorteile einer wahrhaften Religion sind sehr zahlreich und lebenswichtig. Die Vorteile und das Glück, das die Menschen durch eine derartige Religion erhalten, sind nicht durch das menschliche Vorstellungsvermögen eines einfachen Schriftstellers zu beschreiben. Es genügt einfach zu erwähnen, dass der Mensch dadurch erfährt, wozu er erschaffen worden ist und seinen heiligen Herrn kennen lernt, Der ihn erzieht und zu diversen Errungenschaften verhilft. So glaubt der Mensch an die auserwählten Propheten und versucht durch die schönen Eigenschaften dieser Propheten sein eigenes Leben zu erhellen. Dadurch führt der Mensch ein menschenwürdigeres Leben und erlangt nach seinem Tode das ewige Glück. Eines dürfen wir noch erwähnen, nämlich dass die wahrhafte Religion dem Menschen Kraft gibt, ihn für das Alltagsleben wappnet und an seinen kummervollen Tagen tröstet. Demgemäß ist auch das zukünftige Leben des Menschen gesichert. Wenn wir gründlich nachdenken, stellen wir fest, dass der Mensch ein einfaches Lebewesen unter vielen ist. Seine Größe entspricht im Vergleich nicht einmal einem Staubkörnchen, dennoch plagt er sich mit verschiedenen Sorgen, denen er ganz einfach ausgeliefert ist. Letztendlich verstirbt er wie eine Blume und büßt seine gesamte irdische Existenz ein. Bestünde unser Dasein allein aus diesem vergänglichen Leben, wäre der Mensch wirklich eine armselige und bemitleidenswerte Kreatur. Dieses materielle und vergängliche Leben bietet keine Grundlage für ein Glück, bei welchem die Menschen wirklich wahres Glück empfinden, denn solange sie sich an der wahrhaften Religion festklammern, erlangen sie seelische Glückseligkeit, was als Vorbereitung auf das ewige Glück zu deuten ist. Das Enden dieses vergänglichen Lebens soll ihnen keine Sorgen bereiten, denn ein derartiger Mensch ist sich der Tatsache bewusst, dass der Ewige ihn in Seine Obhut nehmen wird. So ist der Mensch fest davon überzeugt, dass er durch das unvergängliche Leben das ewige Glück erlangen wird. Dies jedoch ist nur ein Bruchteil der Vorteile, die eine wahrhafte Religion der Menschheit bietet. Nur durch eine derartige Religion kann der Mensch seine Lebensweise auf Bescheidenheit ausrichten, seinem Schöpfer mit Freude dienen und auf die Anrechte seiner Mitbürger Rücksicht nehmen. So ist der Mensch gewillt, seine Glaubensgeschwister und alle Mitmenschen auf den richtigen Pfad zu leiten, um mit dem ewigen Paradies belohnt zu werden. Dadurch entwickelt er sich zu einem wichtigen Organ in der Gesellschaft. Fazit: Nur die wahrhafte Religion kann der Menschheit diese hohe Gesinnung mitteilen und ihnen diese schöne Lebensweise vermitteln.
Universalität der islamischen Religion und ihre Elemente Die islamische Religion ist die allerletzte und vollkommenste unter den wahrhaften Religionen. Diese heilige Religion ist nicht für eine Nation oder ein Zeitalter bestimmt. Sie ist die dem Wesen nach natürlichste Religion Gottes, die bis zum Jüngsten Tag fortbestehen wird und der Veranlagung und der Lebensweise verschiedenster Menschengruppen entspricht. Diese heilige Religion ist ein Weg zur Errettung und zum Heil und eine Quelle des Glücks, denn sie ist diejenige Religion, mit der sich Gott zufrieden gibt. Gott spricht: „Die Religion bei Gott ist der Islam. " [Alu Imran, 19] Vor dem Islam war die Welt von den Finsternissen der Unwissenheit bedeckt. Wahrhafte Religionen waren erloschen, das Licht der himmlischen Weisheit war untergegangen, und der gesamte Horizont hatte sich verfinstert. Einige Menschen gaben sich ihren Begierden hin, andere hingegen wurden versklavt. Die Bewohner der Arabischen Halbinsel waren besonders davon betroffen und von Unwissenheit umgeben. Menschen verehrten Götzen, die sie selbst hergestellt hatten, und schämten sich für diese Untaten. Neugeborene Mädchen wurden lebendig begraben, ohne dass die Täter Mitleid mit ihnen hatten. Sie unterwarfen sich der Gewaltherrschaft anderer Nationen und unternahmen nichts dagegen. Zusammenfassend waren sie bar jeglichen richtigen Glaubens, sittlicher Moral, guter Taten und edler Gesinnung. Durch die islamische Religion wurden verschiedenste Orte auf der Erde erhellt. Die Menschheit erhörte Begriffe wie Recht, Gerechtigkeit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Götzenanbeter, die sich auch vor Menschen niederzuwerfen pflegten, verehrten nunmehr Gott. Die allgemeine Gesinnung besserte sich, und allerorts erklangen die schönsten Namen Gottes. Man begann nun, die Werke des Schöpfers zur Kenntnis zu nehmen und Sein Licht wahrzunehmen. So bewirkte die islamische Religion eine wahrhafte Zivilisierung, eine nützliche Entwicklung und eine erfreuliche, friedliche Revolution in Eintracht. Die Menschheit kann sich durch die Annahme dieser heiligen Religion nur zum Besseren entwickeln.
Eigenschaften des Glaubens und des Islam Glaube heißt lexikografisch, an etwas Bestimmtes zu glauben und diese Tatsache zu bejahen, oder auch zu beurteilen, ob eine Angelegenheit so oder so ist. Im religiösen Sinne steht Glaube für die Annahme der Religion Gottes von ganzem Herzen und das Bestätigen der Tatsachen wiederum von ganzem Herzen, die der Gesandte Gottes uns überbracht hat. Obwohl der Glaube im Prinzip durch die Anerkennung im Herzen in Kraft tritt, sollte man diese Annahme eigentlich auch verbal zum Ausdruck bringen und das Glaubensbekenntnis, die Schahāda, aussprechen. Denn falls ein Mensch, der den Glauben mit seinem Herzen annimmt, diese Tatsache nicht offen zum Ausdruck bringt, können die anderen Menschen seinen Glauben nicht beurteilen und nicht erfahren, dass er sich zu Islam bekennt. Die Annahme des Islam im Herzen und die verbale Äußerung derselbigen lassen sich mit guten Taten wie Beten und Fasten ergänzen, zumal wir dazu verpflichtet sind. Diese Taten stärken den Glauben und erhellen sein Licht. Sie ersparen dem Menschen verschiedene Qualen und verhelfen ihm zu Wohlwollen und Großzügigkeit. Das Wort „Islam" heißt lexikografisch „Hingabe", „Fügsamkeit" und „Unterwürfigkeit". Aus religiöser Ansicht bedeutet Islam die Hingabe zu Gott und Seinen Propheten, die Akzeptanz der Dinge, die Er im Zusammenhang mit der Religion an uns weitergegeben hat, die Aussprache und Annahme dieses Bekenntnisses. Der Islam ist zugleich auch anderen Religionen gleichzusetzen. Es besteht kein Unterschied zwischen einer wahrhaften Religion und dem Islam. Jede wahrhafte Religion ist dem Islam gleichzusetzen. Umgekehrt lässt sich auch der Islam jeder wahrhaften Religion gleichsetzen. Diese Religion lässt sich außerdem auch mit Begriffen wie „Scharia", „Islam" und „islamische Konfession" bezeichnen. Das Wort „Islam" wird auch manchmal benutzt, um gute Taten oder den Glauben selbst zu umschreiben. Das Wort „Scharia" indes wird eher verwendet, um Betrituale und zwischenmenschliche Beziehungen und diesbezügliche Urteile zusammenzufassen.
Voraussetzungen des Islam und des Glaubens Die islamische Religion beinhaltet den Glauben an Gott, Seine Engel, Bücher und Propheten, an den Jüngsten Tag und an die Vorbestimmung und das Schicksal. Die Kenntnis dieser Tatsachen und die Überzeugung davon sind Voraussetzung für den Glauben. In diesem Sinne bezeichnet man sie als die „sechs Voraussetzungen für den Glauben". Diese sind fundierte Voraussetzungen und werden deshalb auch als Grundprinzipien bezeichnet, an die man unbedingt glauben muss. Jeder Muslim ist verpflichtet, daran zu glauben. Solange man sie nicht anerkennt, tritt der Zustand des Glaubens nicht ein. Das Leugnen eines dieser Prinzipien schließt den Betroffenen aus dem Kreis der Religion aus. Diesen Glauben tun wir durch das Bittgebet „ Āmantu billāhi... " kund. Wir bezeugen dies und bekennen uns zu diesen Prinzipien. Jeder, der dieses Bittgebet zitiert, erklärt: „Ich glaube an Gott, an Seine Engen, Bücher und Propheten, an den jüngsten Tag und an die Vorbestimmung und das Schicksal (dass altes Gute und Böse von Gott erschaffen wird). Die Auferstehung nach dem Tode und Versammlung nach der Erweckung (wo man zur Rechenschaft gezogen wird) ist eine Tatsache und wahr. Ich bezeuge, dass kein Gott außer Gott existiert und dass Muhammad Sein Diener und Sein Gesandter ist. "
Die Fundamente des Islam sind fünf an der Zahl. Eine Aussage (Hadith) unseres Propheten besagt: „Die islamische Religion basiert auf fünf Prinzipien: Zitieren des Glaubensbekenntnisses (Ašhadu an lā ilāha illa-llāh wa ašhadu anna Muhammadan Resūllullāh), Gebet, Entrichten der Almosensteuer, Fasten im Monat Ramadan und Pilgern. " Dies sind die fünf Grundpfeiler des Islam. Wer diese Prinzipien einhält, erhält den Grad und die Ehre, ein Muslim zu sein. (Ašhadu an lā ilāha illa-llāh wa ašhadu anna Muhammadan abduhu wa Rasūluh), „Ich bezeuge, dass kein Gott außer Gott existiert und dass Muhammad Sein Diener und sein Gesandter ist. " Diese Worte werden mit dem Begriff „Kalimat aš-Šahāda" bezeichnet. Die kürzere Formel, nämlich „lā ilāha illa-llāh Muhammadu-rrasūllullāh " dagegen bezeichnet man als „Kalimat at-Tauhid". Diese heiligen Bekenntnisse sind öfters zu rezitieren.
Glaube an Gott und Seine Attribute Wie zuvor erwähnt, setzt der Glaube sechs Bedingungen voraus, die seine Basis bilden. Die erste davon ist der Glaube an Gott. Das heißt, Gott ist der ewige Schöpfer. Dieses hohe Wesen ist ohnegleichen und mit allen vollkommenen Attributen ausgestattet, frei von jeglichen Schwächen. Er hat alles aus dem Nichts erschaffen. Nichts ist Ihm an Macht und Größe ebenbürtig. Er ist Derjenige, Der unzählige Dimensionen, die wir wahrnehmen können oder auch nicht, erschaffen hat und fortbestehen lässt. Gott besitzt unter anderem auch Attribute wie
und zahllose weitere Attribute. Vor allem das Attribut Wuğūd (die Existenz) ist zu betonen. Seine weiteren Attribute lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Die erste Gruppe besteht aus den Attributen, die als „negativ" bezeichnet werden, wie
Sie sind insgesamt fünf an der Zahl. Andere Attribute sind feste Attribute wie
Sie sind insgesamt acht an der Zahl. All diese Attribute werden zusammen als Vollkommenheits-Attribute bezeichnet. So glauben wir an Gott, Der mit all diesen vollkommenen und erhabenen Eigenschaften ausgestattet ist, die wir im Folgenden näher untersuchen möchten.
Wir sind der Tatsache kundig, dass nichts in dieser Welt aus sich selbst heraus existieren kann. Keine Kreatur kann von selbst entstehen oder von selbst zugrunde gehen. Anders ausgedrückt: Nichts kann von der Phase des Nichtseins in die Phase des Seins übergehen. Der umgekehrte Fall trifft ebenso zu. Auch kann kein Geschöpf irgendein Atom zur Existenz verhelfen oder umgekehrt, sein Dasein beenden. Mit der Welt, in der wir leben, sind zahlreiche weitere Universen erschaffen worden und werden weiterhin erschaffen. Einige Lebewesen hingegen sind einfach ausgestorben. Demzufolge kann man die Existenz eines mächtigen und weisen Schöpfers, Der alles aus dem Nichts erschaffen hat und später wieder ausrottet, keineswegs bezweifeln. Für die Existenz Gottes werden in den theologischen und philosophischen Schriften verschiedenste Begründungen zitiert. Darauf sind wir in unserem Buch Muwazzah Ilm-i Kelam bereits ausführlich eingegangen. An dieser Stelle möchten wir den 190. Vers der Sure Āl Imrān zitieren: „In der Erschaffung der Himmel und der Erde und dem Wechsel der Nacht und des Tages liegen Für wahr Zeichen für Leute mit Verstand.“ Einsen Koranvers zu rezitieren und darüber nachzudenken ist sehr aufnchlussreich. Wenn man über diesen Vers gründlich nachsinnt, ergeben sich zahlreiche Beweismittel für die Existenz Gottes und Seiner Macht und Stärke. Nur diejenigen, die das wissen, was von Wissenschaften wie Astronomie, Kosmographie, Biologie, Chemie, Psychologie und Anatomie vermittelt wird, können den Sinn dieses Verses ergründen. Jeder vernünftige Mensch ist deshalb angehalten, die Existenz Gottes zu akzeptieren. Der oben zitierte Koranvers erläutert diesen Umstand. Der darauf folgende Vers charakterisiert jene Menschen, die über wahrhaftigen Verstand und richtiges Wissen verfügen. Diese Verse bringen zum Ausdruck, welch großer Wert der Islam auf die Vernunft und das richtige Denken legt. In einer Überlieferung sagte Gottes Gesandter, dass es kein dem Nachdenken gleichgestelltes Betritual gibt: „Es gibt keinen Gottesdienst wie den des Denkens." Die islamische Religion betont den Verstand und das Denken, zumal sie selbst mit Vernunft und Weisheit vollkommen konform geht. Kritik und kritisches Nachdenken bestätigen nur ihre rechten Maßstäbe. Der Islam ist eine Religion für Leute, die nachdenken. Als gescheit kann man diejenigen Menschen bezeichnen, die über Himmel und Erde, Tag und Nacht und den Glanz jener Sterne nachsinnen, die tausendfach größer sind als unsere Sonne und verschiedene leblose und lebende Substanzen beherbergen. Derartiges Nachsinnen gefolgt von Einsicht bewirkt letztendlich die Annahme der Macht und Gewaltigkeit Gottes, Der diesem Universum Maß und Regelmäßigkeit verleiht. Daraus folgt die Hingabe zu Gott aus freiem Willen. Für einen einsichtigen Menschen mit Vernunft genügt es, sich neben jenen makroskopischen Einheiten auch die Mikroben, die trotz ihrer unvorstellbaren Winzigkeit ihre Funktion ausüben, oder Atome, die ein riesiges Potenzial darstellen, vorzustellen, um die Macht und Gewalt Gottes zu bestätigen. Ist es möglich, dass diese schönen und wunderbaren Kreaturen, die einer hervorragenden Ordnung und Regelmäßigkeit unterliegen, einem Zufall entsprungen sind? Kann man sich überhaupt vorstellen, dass sie aus einer imaginären Naturgewalt bar jeder Weisheit und Kenntnis hervorgegangen sind? Kein vernünftiger Mensch kann einen derartigen Schluss ziehen. Wir möchten nochmals die Tatsache wiederholen, dass es genügt, über zuvor zitierten Koranvers nachzudenken, um die Existenz und Macht Gottes anzuerkennen und zu bestätigen. In diesem Sinne sagte unser Prophet: „Wie schade um jemanden, der diesen Vers gelesen hat, aber nicht darüber nachdenkt. "
Gott ist qadim, denn etwas, was im Nachhinein erschaffen wurde, kann nicht Gott sein. Alles außer Gott ist hādith, d. h. neu erschaffen. Sie sind der Allmacht Gottes entsprungen. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Erschaffenen nicht die Attribute tragen, die nur dem Schöpfer zustehen. Seine ewige Existenz sucht ihresgleichen, denn die Universen sind im Nachhinein erschaffen worden.
Gott trägt das Attribut „Baqā'", denn Er ist ewig und unvergänglich, Seine Existenz besitzt kein Ende. Ein Ende Seiner Existenz wäre einfach unvorstellbar. Alle Kreaturen, die im Nachhinein ins Leben gerufen wurden, entspringen Gottes Macht. So gehen sie wiederum mit Gottes Macht zugrunde oder erleben diverse Modifikationen. Gott ist unvergänglich und frei von jedweder Modifikation und Existenzlosigkeit, denn Er ist kein erschaffenes Produkt eines an deren Wesens, das Ihn außer Kraft setzen oder modifizieren könnte. Umgekehrt sind alle Lebewesen Produkte Seines Könnens. Alles ist der Nicht Existenz unterworfen, aber die Existenz des großen und wohltätigen Gottes ist bleibend und von Dauerhaftigkeit.
Alle Dinge, die Gott erschaffen hat (mukawwan) und erschaffen kann (mumkin), sind veränderlich, transformieren sich, können einander ähnlich sein lind vergehen letzten Endes. Kein einziges Lebewesen enthält irgendein Attribut im Sinne eines Schöpfers oder Herrn. Ist es überhaupt möglich, dass ein Geschöpf, das erschaffen wird und der Vergänglichkeit unterworfen ist, dem Schöpfer gleich oder ähnlich sei? Kann man irgendein Wesen, das erschaffen wird, dem ewigen und weisen Gott gleichstellen? Menschen mit derartigen verkehrten Behauptungen erdreisten sich, ihr sterbliches Wesen einem Schöpfer gleichzustellen und Gottes Existenz auf das Niveau ihres wertlosen Daseins zu herabzusetzen. Menschen und andere Lebewesen haben verschiedene Abhängigkeiten und Bedürfnisse wie Zeit und Raum, Essen und Trinken, Spazierengehen, gebären und geboren werden und vieles mehr. Gott ist frei von allen Bedürfnissen. Er verfügt über den Himmelsthron und verschiedenen Universen wie sieben verschiedene Himmelsstufen. Er benötigt sie jedoch nicht, denn Er war bereits existent, als sie noch nicht da waren. Ein Mensch, der bedürftig ist und mit den Eigenschaften eines Sterblichen ausgestattet ist, kann kein Schöpfer sein. Unsere erhabene Religion schont uns solch abwegigen Gedanken und Vorstellungen. (Gott ist nichts ähnlich, und Er hört und sieht alles, was vor sich geht.)
Gott ist in Seinem Dasein einheitlich. Egal, wie er es sich vorstellen mag, kann ein einsichtiger und weiser Mensch an keinen Schöpfer außer Gott glauben. Er kann keinen anderen Schöpfer oder Herrn annehmen. Es ist eine bewiesene Tatsache, dass nicht zwei oder sogar mehr Schöpfer existieren können. Das Universum, das wir zu sehen bekommen, seine Beständigkeit und Regelmäßigkeit, sind Zeichen für die Einheit Gottes. So wie die Göttlichkeit (ulūhiyya), Anbetungswürdigkeit und das Wesen Gottes einheitlich sind, ist auch seine Schöpfertätigkeit einheitlich. Gott ist der Schöpfer, Der alle Kreaturen erschafft, die Seiner Schöpfertätigkeit und der Zerstörung unterworfen sind und deshalb auch als „mumkin " (möglich) bezeichnet werden. Es gibt keinen Schöpfer außer Ihm. Ein Wesen, das nicht in der Lage ist, das Mögliche zu erschaffen und zu unterhalten bzw. zu zerstören, kann nicht Gott sein. So darf man sich keinen zweiten Herrn vorstellen, denn wenn man annimmt, dass zwei Herren existieren, muss der eine in der Lage sein, das Mögliche zu erschaffen, und der andere wäre überflüssig. Gott kann nicht überflüssig oder umgekehrt, unfähig sein. So hegt ein vernünftiger Mensch keinen Zweifel daran, dass nichts dem Wesen und den Attributen Gottes Ebenbürtiges existiert. Nationen, die an mehr als einen Schöpfer glauben, sind Sklaven eines Glaubens, der sich Vernunft und Weisheit widersetzt.
Ein Wesen, dem diese Eigenschaften fehlen, wäre nicht in der Lage, etwas von sich selbst aus zu erschaffen, geschweige denn Kreaturen, die über unvollkommenes Wissen, Denken, Wünschen und Können verfügen, denn kein Werk kann Eigenschaften tragen, die seinem Erschaffer fehlen. So kann ein unbewusstes Wesen wie die Natur, ohne Wissen, Wünschen und Können, kein Schöpfer sein, denn ihre Existenz ist den Objekten unterworfen. Eine derartige Existenz kann nicht Erfinder von Millionen Kreaturen mit Wissen, Wünschen und Können sein. Zusammenfassend können wir sagen, dass Gott auch mit dem Attribut „Hayy" (lebendig) ausgestattet ist. Er ist Hayy-ul-Qayyūm, d. h. der aus Sich selbst Lebendige und alles Lebendige am Leben Haltende.
Ein Mensch, der nach gründlichem Nachdenken zu dem Schluss gelangt, dass Gott Über alles Bescheid weiß, ist sich seiner Taten bewusst und orientiert sein Verhalten und seine Worte an dieser Tatsache. Er benutzt keine schlechten Worte und denkt sich nichts Übles, stört nicht andere und tut nichts Verbotenes, wo niemand ihn sieht, denn er ist fest davon überzeugt, dass Gott ihn sieht.
Gott hat das ganze Universum im Sinne Seines ewigen Wunsches erschaffen. Die Tatsache, dass die gleichen Lebewesen Millionen verschiedene Arten und Gattungen aufweisen und verschiedene Eigenschaften besitzen, und insbesondere die Tatsache, dass Bäume, Blumen, Früchte und andere Lebewesen, die dieselbe Luft und dasselbe Wasser atmen, unterschiedliche Farben und Geschmacksrichtungen aufweisen, ist eine Erscheinung Seines ewigen Wunsches. All diese Tatsachen beweisen, dass Gott auch mit diesem Attribut ausgezeichnet ist. Gott ist zu nichts verpflichtet. Er erschafft alles nach Seinem Wunsch. Er ist nicht verpflichtet, etwas zu schaffen bzw. vergehen zu lassen. Die Verpflichtung weist auf eine Schwäche hin, und dies würde Gott nicht zustehen. „Dein Herr tut, was Er will.“ [Hūd, 107]
Gott kann tausende Universen aus dem Nichts erschaffen und sie wieder vergehen lassen, denn jemand, der seinen Wunsch nicht ausführen bzw. das Erwünschte in die Tat umsetzen kann, kann nicht Herr über das Universums sein. Gott hingegen ist zu allem fähig. Samī'
Ein Mensch, dessen Herz vom Glauben erfüllt ist, ist davon überzeugt, dass Gott ihn sieht, und richtet sich danach. So berichtigt er seine Fehler und versucht, unanständige Taten zu vermeiden und lebt so sündenfrei wie die Engel. „Und fürchtet Gott und wisset, dass Gott altes sieht, was ihr tut!“ [al-Baqara, 233]
Gott erlaubt die Übermittlung, Übertragung und Erklärung Seiner Worte an Seine Engel, wann immer Er es für richtig hält. Die Offenbarung und Mitteilung von Angelegenheiten an Seine Propheten ist auch eine Manifestation dieses Attributs. Der gnadenreiche Koran, den wir auch als das Urewige Wort (al-Kalām al-Qadīm) bezeichnen können, wurde auf unseren Propheten herab gesandt, um den Menschen Rechtleitung zu bringen.
Das Erschaffen der Welten, der Geschöpfe und des Lebens und die Unterhaltung dieser Kreaturen, ihre Überführung in eine andere Dimension sind immer Manifestationen dieses Attributs. „Wenn Er etwas will, sagt Er einfach „sei ", und es wird.“ [Yasin, 82] Wir denken einmal nach: Die Naturwissenschaften postulieren, dass überhaupt nichts aus sich selbst heraus in Erscheinung treten oder sich selbst konzipieren kann. Wir beobachten aber Millionen leuchtender Sterne, die rotieren und dann stehen bleiben. Kann man nach all diesen Fakten eigentlich noch an der Existenz eines ewigen und unvergänglichen Gottes rütteln? Es ist uns ebenfalls bewusst, dass ein Wesen ohne Potenzial und Willen nicht schöne und unübertreffliche Werke vollbringen kann, die einem bestimmten Ziel und Zweck untergeordnet sind. Umgekehrt aber stellen wir immer dann, wenn wir das Universum erforschen, fest, dass alles einem bestimmten Ziel und Zweck, einer göttlichen Regelmäßigkeit unterliegen. Vom Kleinsten bis zum Größten - nichts kann durch Zufall entstanden sein; es versteht von sich selbst, dass sie nicht umsonst erschaffen wurden. An allen Wesen beobachtet man ein künstlerisches und gestalterisches Werk, die Manifestation eines starken Willens und der Entschlossenheit. Wer wagt zu behaupten, dass all diese Kunstwerke keines ewigen Schöpfers bedürfen, Der über nötiges Wissen, Können und Weisheit verfügt? Wenden wir uns nun vom äußeren Universum unseren Körpern und Sinneswahrnehmungen zu. Zeugt nicht jedes Glied und jede Zelle unserer Körper, alle Gefühle und Gedanken und unserer Gewissen von der Existenz des erhabenen Gottes, Der uns versorgt? Es besteht kein Zweifel daran, dass niemandem der Glaube an Gott und der Gedanke an die Existenz eines Schöpfers fehlen darf, solange er das Gefühl seiner eigenen Existenz und sein Verantwortungsgefühl für sich behält. „Gibt es einen Schöpfer außer Gott, Der euch von Himmel und Erde versorgt?“ [Fātir, 3] |